1000 Moskitonetze gegen Malaria
Malaria gilt als eine der größten Geiseln der Menschheit. Neben der medikamentösen Behandlung sind vorbeugende Maßnahmen oft noch wichtiger. Anfang Dezember 2011 war der stellvertretende Vorsitzende von FOCUS e. V., Dr. Horst Gerlach, mit seiner Frau Barbara wieder einmal in Burkina Faso unterwegs, um sich der Weiterentwicklung des Gesundheitswesens in der Region um Satonévri zu widmen. Zur Vorbeugung konnten 1000 Moskitonetze an Familien mit Kindern verteilt werden. Gleichzeitig wurde ein Sensibilisierungsprogramm mit regelmäßiger Schulung und die Erfassung der Häufigkeit von notwendigen Malariabehandlungen initiiert.
Daneben wurden Möglichkeiten für den Ausbau einer Gesundheitsstation CSPS ("Buschspital") und die Errichtung von Geburtenstationen in den einzelnen Ortsteilen geprüft. Der Verein FOCUS wird sich diesem Thema in den nächsten Monaten intensiver widmen.
Bericht des Südhessenmorgen vom 12.01.2012
Projektreise: Barbara und Dr. Horst Gerlach berichten aus Burkina Faso / Satonévri bekommt eigene Geburtenstationen
Werdende Mütter haben es bald leichter
Von unserem Mitarbeiter Othmar A. Pietsch
Viernheim. Wenn sich Dr. Horst Gerlach und seine Ehefrau Barbara auf die Reise nach Burkina Faso machen, dann dreht sich dabei alles um das Thema Gesundheit. So auch vor wenigen Wochen, als die Eheleute bei ihrer Stippvisite gemeinsam mit den italienischen Freunden vom Verein ACSA aus Rovigo gleich mehrere Schwerpunkte setzen konnten.
"Wir haben endlich die Möglichkeit in Satonévri eigene Geburtenstationen einzurichten, nachdem sich die staatlichen Vorgaben geändert haben" sieht der Viernheimer Mediziner ein großes Manko behoben. Möglich wurde das in erster Linie durch ein Umdenken auf Regierungsebene des afrikanischen Staats, wozu auch die islamische Revolution im Land ihren Beitrag geleistet hat. "Früher mussten die Schwangeren oft mehr als zehn Kilometer zu Fuß zurücklegen, um eine passende Station zu finden, und das manchmal sogar nach dem Sprung der Fruchtblase", schildert Dr. Gerlach die bisherigen Verhältnisse.
Deshalb macht sich der stellvertretende Focus-Vorsitzende für die Einrichtungen von Buschspitälern oder CSPS (Centre de Santé et de Promotion Sociale) stark. In Satonévri soll es für jeden Ort einen sauberen Entbindungsraum mit den bestmöglichen hygienischen Bedingungen gaben. "Zuletzt waren gekachelte Zimmer verboten, weil man einen höheren Standard als in den staatlichen Krankenhäusern verhindern wollte", schildert Gerlach die obskuren Vorschriften des Landes.
Jemandem, für den eine ausreichende Gesundheitsversorgung zur Herzensangelegenheit geworden ist, schwillt da schon einmal der Kamm. Immerhin hat in diesem Fall die Vorsprache auf höchster Ebene zum Erfolg geführt. In Satonévri kann jetzt eine CSPS eingerichtet werden.
Zu den Möglichkeiten die Gesundheitssituation in Satonévri zu verbessern zählt auch die Vorbeugung. Deshalb fand gleichzeitig mit der Evaluation eine vom Viernheimer Afrikaverein Focus initiierte Verteilungsaktion von Moskitonetzen an Familien mit Kleinkindern statt, um die Ansteckung mit Malaria einzudämmen. Es wurden 1 000 Netze im Wert von 7 500 Euro persönlich an die ausgesuchten Familien übergeben und ein Beobachtungsprogramm zur Häufigkeit des Auftretens der Malaria begonnen.
Dabei wird auch die Nutzung der Moskitonetze kontrolliert, denn in der Vergangenheit wurde diese kostenlos zur Verfügung gestellten Hilfsmittel auf dem freien Markt verkauft. "Durch die Trockenheit in den vergangenen Monaten sind die Infektionszahlen zwar gesunken, weil es zu wenig geregnet hat, fehlt den Leuten allerdings der Ertrag aus der Landwirtschaft. Der Anbau von Baumwolle wurde angesichts des trockenen Wetters gleich ganz eingestellt", haben die Eheleute Gerlach auf ihrer Reise ebenfalls festgestellt. Gerade bei der Ernährungssituation liegt in Burkina Faso aber einiges im Argen. "Durch unser Ernährungsprogramm an den Schulen ist der Gesundheits- und Ernährungszustand dieser Kinder relativ gut, obwohl mit diesen Mahlzeiten oft auch noch Geschwister mitversorgt werden. Allerdings hat eine Bestandaufnahme im Distrikt ergeben, dass ein Drittel der schwangeren Frauen und der Kleinkinder unterernährt ist", resümierte Dr. Gerlach.
Aufklärung sowie protein- und vitaminhaltige Nahrungsergänzung sollen hier Abhilfe schaffen. Angesichts einer drohenden Hungersnot eine Herkulesaufgabe. "Die Viernheimer sind allerdings in solchen Notfällen gut motivierbar" hofft der Arzt auch künftig auf die Unterstützung seiner Mitbürger.
Südhessen Morgen
12. Januar 2012




